Antifeminismus als rechte Ideologie

Onlinetrolle, Lebensschützer*innen & dein Opa

Wir beteiligen uns an der Vortragsreihe Antifeminismus als rechte Ideologie.

Vorträge:

Macht, Sexualität und Gewalt – Die Logik des Sexismus und die Sicherung der männlichen Vorherrschaft
28.11. (Do.) 18 Uhr Theo 0.136 Rolf Pohl

Mit Holzkreuz und Plastikembryo in den Kulturkampf – Die “Lebensschutz”-Bewegung
09.01. (Do.) 18 Uhr ZHG 004 Eike Sanders

Angst um die Vormachtstellung – Über den gesellschaftlichen Einfluss und die Anschlussfähigkeit des Antifeminismus
13.01. (Mo.) 18 Uhr ZHG 002 Rebekka Blum

"Schützt unsere Kinder!" – Transfeindlichkeit als Teil antifeministischer Ideologie
23.01. (Do.) 18 Uhr ZHG 004 Sofie Avenarius

Macht, Sexualität und Gewalt – Die Logik des Sexismus und die Sicherung der männlichen Vorherrschaft

28.11. (Do.) 18 Uhr Theo 0.136 Rolf Pohl
Was ist eigentlich „Männlichkeit“ und wie wird sie hergestellt? Sicher ist, dass ihre Erscheinungsformen einem grundlegenden Wandel unterliegen. Viele sprechen hier sogar von einer dramatischen Krise der Männlichkeit. Sicher ist aber auch, dass sich trotz aller geschlechterpolitischen Fortschritte eine Tatsache grundsätzlich nicht geändert hat: Die spätmodernen Gesellschaften sind nach wie vor von einer hierarchischen, männlich bestimmten Kultur der Zweigeschlechtlichkeit bestimmt. Vor diesem Hintergrund ist die Rede über die Männlichkeitskrise eine verschobene Diskussion, die eine Auseinandersetzung mit der männlichen Vorherrschaft verweigert und die „Schuld“ meist bei den Frauen, dem Feminismus und allem, was irgendwie mit „gender“ zu tun hat sucht. Auch der Kampf gegen die Anerkennung geschlechtlicher Vielfalt, das regelmäßige Scheitern der immer wieder aufkommenden Sexismus-Debatten, vor allem aber das unverändert große Ausmaß sexueller und sexualisierter Gewalt sind Ausdruck der hartnäckigen Aufrechterhaltung dieser grundlegenden Struktur geschlechtlicher Ungleichheit.

Mit Holzkreuz und Plastikembryo in den Kulturkampf – Die “Lebensschutz”-Bewegung

09.01. (Do.) 18 Uhr ZHG 004 Eike Sanders
“Lebensschützer” gehen in Berlin, Fulda oder Annaberg-Buchholz mit weißen Holzkreuzen und Schildern mit Slogans wie „Verantwortung statt Abtreibung“ oder „Deutschland treibt sich ab“ auf die Straße. Sie stehen mit Plastikembryos vor Kliniken, die Schwangerschaftsabbrüche durchführen. Sie beten und reden schwangeren Personen oder Ärzt_innen ungefragt ins Gewissen, keine “Mörderin” zu werden. Sie betreiben in Brüssel Lobbyarbeit, um zu definieren, dass das Mensch-Sein mit der Verschmelzung von Ei- und Samenzelle beginnt oder dass nur die heterosexuelle Ehe anerkannt werden soll. Es geht ihnen um mehr als Schwangerschaftsabbrüche: Die expliziten Anti-Abtreibungsorganisationen und ihre Verbündeten in Kirche, Politik und Neuer Rechter führen einen Kulturkampf zur Retraditionalisierung der Geschlechter- und Familienverhältnisse, um christliche Moral und medizinethische Fragen. Menschenrechtsbasierte juristische Argumentationen sind dabei eine Strategie, die den christlichen Fundamentalismus lediglich flankieren. Der gesellschaftlich erstarkende Antifeminismus und die Behauptung der (extremen) Rechten, das Christentum sei durch „Islamisierung“ und Säkularisierung inzwischen eine bedrohte Minderheit, bereitet den Aufwind, von dem die „Lebensschutz“-Bewegung profitieren möchte und in dem sie neues Selbstbewusstsein entfaltet. Die gescheiterte Abschaffung des §219a (Werbeverbot für Schwangerschaftsabbrüche) und die Gesetzesreform, die die Situation für Ärzt_innen und Schwangere verschlimmert hat, haben das Bewusstsein erhöht, dass der 20 Jahre ruhende gesellschaftliche Kompromiss um den §218 ein fauler und immer ein bedrohter ist. Eine kritische Auseinandersetzung mit den »Lebensschützern« ist eine notwendige Grundlage für den Widerstand. Die Veranstaltung möchte einen Überblick über die Akteure der „Lebensschutz“-Bewegung und ihre aktuellen Diskurse bieten. Die Referentin arbeitet seit über zehn Jahren zum Thema extreme Rechte und Gender, sie recherchiert, publiziert und führt Bildungsarbeit durch. Sie ist Mitarbeiterin des Antifaschistischen Pressearchivs und Bildungszentrum apabiz e.V., Mitglied im Forschungsnetzwerk Frauen und Rechtsextremismus und u.a. Autorin von »Kulturkampf und Gewissen. Medizinethische Strategien der ›Lebensschutz‹-Bewegung« (Sanders, Achtelik, Jentsch; erschienen im März 2018 im Verbrecher Verlag) und als Teil des Autor_innenkollektivs AK Fe.In von “Frauenrechte und Frauen/hass. Antifeminismus und die Ethnisierung von Gewalt” (Verbrecher Verlag August 2019).

Angst um die Vormachtstellung – Über den gesellschaftlichen Einfluss und die Anschlussfähigkeit des Antifeminismus

13.01. (Mo.) 18 Uhr ZHG 002 Rebekka Blum
Seit Mitte der 2000er Jahre sind die Beschwörungen von „Gender-Ideologie“, „Erziehung zum Einheitsmenschen“ und „feministische Weltverschwörung“ mindestens unter AntifeministInnen in aller Munde. Um die Gefahr des Antifeminismus als mobilisierende Bindeglied-Ideologie von konservativen, religiös-fundamentalistischen, maskulinistischen bis hin zu (extrem) rechten Bewegungen zu verdeutlichen lohnt ein Blick auf die Entstehung des Antifeminismus im Kaiserreich. Im Vortrag wird die historisch-kontinuierliche Verschränkung von Antifeminismus zu weiteren Ideologien wie Rassismus, völkischer Ideologie und insbesondere Antisemitismus in den Blick genommen und verdeutlicht, dass es notwendig ist Antifeminismus als gefährliches Phänomen ernst zu nehmen und zu bekämpfen.

"Schützt unsere Kinder!" – Transfeindlichkeit als Teil antifeministischer Ideologie

23.01. (Do.) 18 Uhr ZHG 004 Sofie Avenarius
Hinter der Forderung “Schützt unsere Kinder” steckt, wenn sie von Rechten kommt, meist eine homo-und transfeindliche Ideologie. Diese hat Zusammenhänge und Gemeinsamkeiten mit Antifeminismus. Trotzdem ist das Verhältnis von Transfeindlichkeit und Antifeminismus nicht immer klar und einfach. Wie kommt es das transgeschlechtliche Personen in der AfD aktiv sind? Sind Queerfeindlichkeit und Transfeindlichkeit eigentlich das Gleiche? Wer oder was ist eigentlich “Gender-Gaga”? Was hat das Alles mit Biologie zu tun? Wie kommt es zu feministischen Transfeinden und antifeministischen Transaktivist_innen? Diese und weitere Fragen werden im Vortrag behandelt um am Ende einen differenzierten Blick auf Transfeindlichkeit als Teil antifeministischer Ideologie zu ermöglichen und damit feministische und transaktivistische Gegenstrategien zu entwickeln.